Künstler und Kulturschaffende beim "Wir sind Europa"-Workshop in Greifswald.

Europas Künstler und Kulturschaffende müssen sich stärker vernetzen. Auch der Kontakt zur Politik gehöre dazu, heißt es im „Wir sind Europa“-Workshop.

Von Katharina Krüger

„Wir haben eine Krise der Ideen“ — Levan Khetaguri formuliert es drastisch. Der Professor und Leiter des Arts Research Institutes in der georgischen Hauptstadt Tiflis sieht mehrere dringende Gründe dafür, weshalb Künstlerinnen und Künstler in Europa enger zusammenarbeiten sollten. „Zu 90 Prozent haben sie die gleichen Probleme: wie sie sich finanzieren und wie sie Partner finden“, sagt Khetaguri während des „Wir sind Europa“-Workshops „Von I-dentity zu We-Dentity“ in Greifswald. Doch wer gute Ideen habe, der bekomme beides: Geld und Partner, ist er überzeugt.

So findet Khetaguris Idee eines europäischen Netzwerks zwischen Künstlern und Kulturschaffenden in den Städten auch Zustimmung bei den Teilnehmern des Workshops: „Wir müssen miteinander kommunizieren und kooperieren, damit wir gemeinsam zeitgenössische europäische Kunst schaffen können“, erklärt er. „Die Kunst ist ein wesentlicher Motor, um eine Einheit im Denken und Handeln herzustellen“, sagt auch Gabriele Zappel-Lucke, die als Malerin und Lyrikerin in Greifswald lebt. Aus ihrer Sicht kann die Kunst sozialen Fortschritt erst möglich machen. „Aber dafür brauchen wir Künstler Zeit, Geld und Raum.“

Nicht nur alle vier Jahre zur Wahl

Levan Khetaguri sieht es so: „Kultur nicht zu fördern, ist viel teurer. Wenn wir den Bürgern mehr Kultur geben, müssen wir weniger Gefängnisse bauen.“ Der georgische Kulturprofessor schlägt daher ein Projekt namens „Künstler für Städte und Städte für Künstler“ vor. Kultur- und Kunstschaffende könnten sich regelmäßig mit den Entscheidern in ihren Städten austauschen und daneben eigene Kulturworkshops für die Kommunikation untereinander organisieren. „Unsere Macht als Künstler“, sagt Khetaguri, „liegt nicht nur alle vier Jahre an den Wahlurnen, sondern auch in der Zwischenzeit, als Bürgerinnen und Bürger.“

Katharina Krüger ist freie Journalistin und Mitglied der Projektkoordination von „Wir sind Europa“. 

Foto: K. Krüger