Irlands Vize-Premier Simon Coveney hält die Humboldt-Rede zu Europa.

Irland sei vom Brexit hart getroffen, sagt Irlands Vize-Premier Coveney. Trotzdem sollten die Probleme vor der Haustür der EU nicht vergessen werden.

Von Katharina Krüger

Der stellvertretende irische Ministerpräsident und Außenminister Simon Coveney hat zu Solidarität in der EU aufgerufen. In seiner „Humboldt-Rede zu Europa“ in Berlin sagte er am 13. Juni 2018, die Debatte um die Zukunft der EU solle sich nicht auf der Stärke der einzelnen Mitgliedsstaaten gründen, sondern auf deren starken Zusammenhalt.

Coveney erinnerte vor Studierenden, Politikern und Fachleuten im Senatssaal der Humboldt-Universität daran, dass die EU ihren Blick auch auf die afrikanischen Nachbarn weiten müsse: „Wir können die Fragen der Migration nicht dadurch beantworten, dass wir nur Zäune aufstellen. Europa braucht eine Vision für Afrika. Dabei geht es nicht zuvorderst um Geld, sondern um Politik.“

Zuhörer bei der Humboldt-Rede zu Europa mit Simon Coveney
Coveney hielt seine Rede vor Studierenden, Politikern und Experten im Senatssaal der Humboldt-Uni. (Fotos: Elke A. Jung-Wolff)

„Keine Grenzen in Irland“

Der Austritt der Briten aus der EU trifft Irland nach den Aussagen Coveneys am härtesten: „Wir sind dem Brexit stärker ausgesetzt als alle anderen Mitgliedsländer.“ Die wichtigste Aufgabe sei nun, eine feste Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland zu verhindern. „Ich habe nicht die Absicht einer Regierung anzugehören, die wieder Grenzen und Zäune in meinem Land erlaubt. Das wird nicht passieren“, erklärte der Vize-Premier und zog den Vergleich mit der Deutschen Teilung: „In Deutschland werden Sie verstehen, warum es keine physische Grenze auf unserer Insel geben darf.“

Irland hat nach dem Brexit Bürgerdialoge in Universitäten, Rathäusern und öffentlichen Veranstaltungen gestartet. Die Debatte über das zukünftige Europa sollte aus Dublin hinaus in das Land getragen werden. „Wir wollen von den Iren wissen, was für ein Europa sie für sich und ihre Kinder möchten. Damit wollen wir nicht die ‚üblichen Verdächtigen‘ erreichen, sondern alle Menschen“, sagte Coveney: Die Iren sähen ihre Zukunft in Europa. Das zeigten auch Umfragen, denen zufolge 92 Prozent der Iren in der EU bleiben wollen. Bei den 18- bis 24-Jährigen seien es sogar 97 Prozent. „Wenn man die Menschen nicht nur nach einer Entscheidung in einem Referendum fragt, sondern nach ihrer Meinung, bekommt man die viel ehrlicheren Antworten“, sagte Coveney.

Die vollständige Humboldt-Rede von Simon Coveney gibt es hier im Video-Mitschnitt.

Katharina Krüger ist freie Journalistin in Berlin und Mitglied der Projektkoordination von „Wir sind Europa“.