Parlament der Bäume / Foto: Annett Grimm

Im November 1989 fiel die Mauer. Doch immer noch sind ihre Überreste in Berlin zu finden. Mit dem Insta-Walk „Hidden Walls“ gehen wir auf Spurensuche.

Von Katharina Krüger

Mehr als 28 Jahre lang zerteilte die Mauer die Stadt Berlin. Das DDR-Regime hatte über Nacht Familien, Liebespaare, Freunde und Arbeitskollegen getrennt. Straßen wurden zu Sackgassen, Häuser mussten geräumt werden und Betonwänden, Stacheldraht und Schussanlagen weichen.

Wir beginnen unseren Spaziergang am Berliner Nordbahnhof. Während der Teilung gehörte er zu den sogenannten Geisterbahnhöfen, an denen die unterirdisch fahrenden S-Bahnen nicht hielten. Die Bahnsteige waren abgedunkelt und wurden von Grenzsoldaten bewacht. An den Gleisen und am Ausgang befindet sich heute eine Ausstellung über Geisterbahnhöfe.

Berliner Nordbahnhof
(Foto: Annett Grimm)

In Richtung Norden schließt sich der Park am Nordbahnhof an, der im ehemaligen Gleisbett — später Todesstreifen der Grenzanlagen — angelegt ist. Hier finden sich noch meterweise Mauerreste.

Park am Nordbahnhof / Foto: Annett Grimm
(Foto: Annett Grimm)

Auch der Domfriedhof der Hedwigsgemeinde (eingeweiht 1834) zeigt noch immer Spuren der Teilung. Hier wurden Gräber einfach entfernt, um den Grenzstreifen zu errichten. Noch heute stehen Teile der Mauer auf dem Friedhofsgelände.

Domfriedhof / Foto: Sandra György
(Foto: Sandra György)

Der Grenzübergang an der Chausseestraße ist wie verschwunden, doch wer genau hinsieht, findet mehrere Mahnmale. Zunächst ist der gepflasterte Mauerstreifen im Straßenbelag und Gehweg eingelassen, der sich durch ganz Berlin zieht. Auf der Seite der Liesenstraße, die im Wedding liegt, steht seit 1962 das Denkmal „Wiedervereinigung“ von Hildegard Leest. Ebenfalls zu unseren Füßen hat die Künstlerin Karla Sachse Ende der 1990er-Jahre das „Kaninchenfeld“ einsetzen lassen — als Erinnerung an die friedlichen Bewohner des Todesstreifens.

Kaninchenfeld / Foto: Sandra György
(Foto: Sandra György)

Mindestens 140 Menschen starben zwischen 1961 und 1989 an der Berliner Mauer, die meisten waren Flüchtlinge. Erstes Opfer war der junge Schneider Günter Litfin, der nach dem Mauerbau von seiner Arbeitsstelle im Westen abgeschnitten war und sich ohnehin nicht mit dem DDR-Regime arrangieren konnte. Am 24.08.1961 versuchte er, durch den Humboldthafen zu schwimmen, wurde aber entdeckt und erschossen. Sein Bruder Jürgen Litfin richtete ihm 2003 im ehemaligen Wachtturm am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal eine Gedenkstätte ein.

Litfin-Gedenkstätte / Foto: Sandra György
(Foto: Sandra György)

Zwischen den Neubauten am Ufer der Spree behauptet sich seit dem Mauerfall ein kleiner Park. Der Künstler Ben Wagin hat das „Parlament der Bäume“ in den Tagen der Wende angelegt und pflegt es seither. Es erinnert an die Maueropfer und richtet sich gegen Krieg und Gewalt.

Parlament der Bäume / Foto: Sandra György
(Foto: Sandra György)

Katharina Krüger ist freie Journalistin in Berlin und Mitglied der Projektkoordination von „Wir sind Europa!“. 

Weitere Fotos finden sich unter anderem auch auf dem Instagram-Account von Annett Grimm.