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Auf der EuroPCom 2018 in Brüssel sprachen wir mit Julia Bohlmann, Lehrerin für Geschichte, Englisch sowie European & Global Studies am Städtischen Gymnasium Hennef. 

Von Sophia Siemer und Pieter Boeder 

„Die diesjährige EuroPCom hat das Thema ‚Campaigning for Europe‘. Ich bin Lehrerin an einem Gymnasium in Nordrhein-Westfalen und gehöre, wie ich hier feststellen durfte, eigentlich gar nicht zur Zielgruppe dieser Konferenz. Da ich mich aber schon länger mit der Frage, wie ich meine SchülerInnen für das ‚Projekt Europa‘ begeistern kann, beschäftige, bin ich froh, hier zu sein, und hoffe auf neue Ideen für meinen Unterricht und meine Schule.

Vor einigen Jahren war ich im ehemaligen Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen. Der Zeitzeuge, der uns damals an diesem Ort begleitet hat, beendet seine Führung immer mit dem sehr eindringlichen Satz: „Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf“. Ich habe das für mich als Auftrag verstanden, mich noch bewusster in meinem Unterricht und darüber hinaus für Demokratie einzusetzen. Jacques Delors sagte: „Europa ist wie ein Fahrrad. Hält man es an, fällt es um.“Als Historikerin ist mir nur zu bewusst, dass Frieden und Demokratie in einem vereinten Europa nicht selbstverständlich sind, sondern wir alle als mündige Bürger dazu beitragen müssen.

„Frieden und Demokratie sind in einem vereinten Europa nicht selbstverständlich.“

Wie für alle nachhaltigen Lernprozesse brauchen wir Raum und Zeit für die Förderung der Europakompetenzen unserer SchülerInnen. Ich wünsche mir, dass wir neben dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen auch einen verbindlichen europäischen Referenzrahmen für Demokratie- und Europakompetenzen bekommen, damit unsere SchülerInnen sich umfassender und ausgewogener mit Europa auseinandersetzen können. Der bloße Erwerb von Sachkompetenz über die Stationen der europäischen Einigung greift zu kurz. Ich wünsche mir, dass die SchülerInnen verstehen, dass Europa nicht nur in Brüssel und Straßburg ‚passiert‘, sondern dass wir alle Europa sind.

Wir müssen also Europa in die Schule, in den Klassenraum und in die Lebenswirklichkeit der SchülerInnen holen. Die SchülerInnen sollten Europa ‚begegnen‘ oder besser noch erleben, damit wirklich eine aktive und persönliche Auseinandersetzung stattfindet und sie sich – im besten Fall – mit Europa identifizieren. Wir müssen also Anlässe für eine Form der Auseinandersetzung mit Europa schaffen.

 

„Ich wünsche mir, dass die SchülerInnen verstehen, dass Europa nicht nur in Brüssel und Straßburg ‚passiert‘, sondern dass wir alle Europa sind.“

 

An unserer Schule hatten wir zum Beispiel schon einen Abgeordneten des Europäischen Parlaments bei uns, der von seinem Berufsalltag berichtet hat und der tapfer die Fragen der SchülerInnen beantwortet hat. In Kooperation mit der Schwarzkopf-Stiftung haben wir einen EU-Kompaktkurs angeboten und wir nehmen am Europäischen Wettbewerb teil. Beim Studien- und Berufsinformationstag erfahren unsere SchülerInnen, dass sowohl ein Studium als auch die Arbeitswelt heute nicht mehr auf die nationale Ebene beschränkt ist. Im Sommer waren wir mit einer Gruppe in Brüssel, um beim Planspiel im Parlamentarium mitzumachen und verschiedene EU-Institutionen kennenzulernen.

Darüber hinaus bin ich offen, auch andere Formate der ‚Begegnung mit Europa‘ kennenzulernen und auszuprobieren. Ich habe mich sehr gefreut, euch in Brüssel kennenzulernen und finde euer Projekt sehr spannend! Als nächste Stadt soll das Wir Sind Europa-Team bitte Köln besuchen – oder noch besser meine Stadt Hennef bzw. unsere Schule, damit wir gemeinsam das Motto der EuroPCom weiter verfolgen können: ‚Campaigning for Europe‘.“

Die 9. Ausgabe der EuroPCom fand am 8. und 9. November 2018 statt. Da die Wahlen zum Europäischen Parlament 2019 bevorstehen und das Misstrauen in der EU immer noch den nationalen Diskurs und die Wahlen in den Mitgliedstaaten dominiert, scheinen 2018 die Förderung des demokratischen Engagements und die Befürwortung des europäischen Projekts entscheidende Elemente zu sein für die Sicherung der Zukunft der EU. Diese EuroPCom-Veranstaltung hatte daher den Titel ‚Campaigning for Europe‘,in Vorbereitung auf das bevorstehende Wahljahr.

EuroPCom 2018: 9th European Public Communication Conference

Fotos: Pieter Boeder

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At the EuroPCom 2018 in Brussels we spoke with Julia Bohlmann, teacher of History, English and European & Global Studies at the Municipal High School in Hennef, Germany.

By Sophia Siemer and Pieter Boeder

‚This year’s EuroPCom has the theme „Campaigning for Europe“. I am a teacher at a secondary school in North Rhine-Westphalia and, as I found out here on location, actually do not belong to the target group of this conference. However, as I have been dealing with the question of how to get my pupils excited about „Project Europe“, I am happy to be here and hope to find new ideas for my teaching and my school.

Some years ago, I visited the former Stasi Prison Berlin-Hohenschönhausen. The contemporary witness, who accompanied us there, always ends his tour with the very firm sentence: „Whoever sleeps in democracy, will wake up in dictatorship“. I have adopted this motto for me to become more conscious in my teaching and as a personal commitment to democracy. Jacques Delors said: „Europe is like a bicycle, if you stop it, it’ll fall over.“ As a historian, I am only too aware that peace and democracy in a united Europe are not self-evident, but that we must all contribute to them as responsible citizens.

‚Peace and democracy are not self-evident in a united Europe.‘

As with all sustainable learning processes, we need space and time to promote the Europe skills of our students. I hope that, in addition to the Common European Framework of Reference for Languages, we will also have a binding European reference framework for democracy and European competences so that our students can deal more fully and more effectively with Europe. The mere acquisition of expertise on the stages of European unification falls short. I hope that students will understand that Europe is „happening“ not only in Brussels and Strasbourg, but that we are all Europe.

So we have to get Europe into schools, into the classrooms and into the reality of the students‘ lives. Pupils should „encounter“ Europe or, better yet, experience it, so that an active and personal discussion really takes place and – at best – identify with Europe. So we have to actively create occasions and opportunities for encountering Europe.

 

‚I hope that students understand that Europe is not just happening in Brussels and Strasbourg, but that we are all Europe.‘

At our school, for example, we already had a member of the European Parliament who reported on his professional life and who bravely answered the students‘ questions. In cooperation with the Schwarzkopf Foundation, we have offered a compact EU course and we are participating in the European competition. At the Study and Career Information Day, our students learn that both the academic world and the labour market are no longer confined to the national level. This summer we visited Brussels with a group to participate in the simulation game in the Parlamentarium and to get to know different EU institutions.

In addition, I am open to getting to know and trying out other formats for the „encounter with Europe“. I was very happy to meet you in Brussels and find your We Are Europe! project very exciting! The next city for you to visit would be Cologne – or even better my home town Hennef and our school, so that together we can follow and put into practice the EuroPCom motto: „Campaigning for Europe“.‘

The 9th edition of EuroPCom took place on 8 and 9 November 2018. With the 2019 European Parliament elections ahead and distrust in the EU still dominating national discourse and elections in the Member States, fostering democratic engagement and advocating for the European project seem to be decisive elements in 2018 for ensuring the future of the EU. This edition of EuroPCom therefore had the title ‚Campaigning for Europe‘ in preparation for the election year ahead.

EuroPCom 2018: 9th European Public Communication Conference

Photos: Pieter Boeder