6. Regionale und historische Gegebenheiten beachten

6. Regionale und historische Gegebenheiten beachten

Die europäische Geschichte wird meistens im Rahmen der bestehenden Nationalstaaten erzählt. Dass die Geschichte aber solche Grenzen nicht kennt, lässt sich am Beispiel lokaler Gegebenheiten erkennen. Daher ist es wichtig, die regionale Erinnerungskultur zu pflegen: Durch diese scheinbar konservative Perspektive, die nicht das „große Ganze“, sondern die lokalen Kleinigkeiten in den Blick nimmt, können die nationalstaatlichen Grenzen – vor allem in den Köpfen – aufgelockert werden.

Dies erfordert eine neue Erinnerungspolitik in den Städten und Regionen, die sich traut, die nationalstaatlichen Geschichten, Helden usw. mit regionalen zu ersetzen oder zu erweitern. Neue Feiertage, neue Denkmäler, neue Festivals, neue Zusammenarbeiten, erweiterte Mehrsprachigkeit – all dies können Elemente einer neuen städtischen oder regionalen Erinnerungskultur und -politik werden.

Workshops mit regionalem Bezug

In unterschiedlichen Workshops können diese lokalen Geschichten gesammelt und dann im Rahmen einer Europäisierung der lokalen Erinnerungen und Geschichten gemeinsam neu verstanden werden. Das sozialdemokratische Erbe Europas? Freiheit als Grundelement des europäischen „Sonderweges“? Oder Ängste wie Möglichkeiten einer norddeutschen Stadt wie Greifswald im Kontext deutsch-russischer Wirtschaftsinteressen? Mit Fragestellungen, die die lokale Kultur und die lokalen Erinnerungen betreffen, ist es einfacher, Europa erlebbar zu machen. „Europa“ schwebt nämlich nicht über den Menschen oder ihrem Alltag: In offenen Gesprächen können die Menschen erfahren, wie stark und selbstverständlich Europa vor Ort, in ihrem eigenen Leben anzutreffen ist. Niemand lebt und denkt nur in den nationalstaatlichen Grenzen: Die Vielfalt und die Grenzenlosigkeit der lokalen und eigenen Geschichten sollen daher den Menschen ins Bewusstsein gerückt werden. Je näher die Fragen der Workshops bzw. die Themen der Veranstaltungen und Festivals gesetzt werden, desto mehr gemeinsame europäische Elemente werden sich letztendlich aufzeigen lassen.

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